Dienstag, 22. November; 19 Uhr

 

                                        Casimirianum , Ludwigstraße 1 in Neustadt

 

Lesung von Prof. Dr. Stefan Selke:

 

                                          Schamland: Die Armut mitten unter uns

 

Prof. Selke

 

Das Attribut „nach Gutsherrenart“ wird häufig gebraucht, um auszudrücken, dass es sich um gehobene, deftige ländliche Küche handelt, die eben den Gaumen eines „Gutsherren“ besonders erfreuen könnte. Gutsherren werden gern romantisch verklärt, vergessen wird dabei, dass sie in selbstherrlicher Manier über ihre Untergebenen entscheiden konnten. Die im Dienste eines Gutsherren stehenden Mägde und Knechte hatten kaum eigene Rechte, wurden meist nur gering entlohnt und oft nur mit Naturalien abgespeist. Mit der Agenda 2010 hat sich Deutschland vom Anspruch eines Wohlfahrtstaates mit einem eigenständigen Recht auf (monetärem) Schutz gegen soziale Risiken weitgehend verabschiedet und eine Bedürftigenhilfe nach Gutsherrenart eingeführt. Parallel zu diesem Rückbau des Sozialstaates hat sich eine regelrechte Armutsökonomie entwickelt.

 

Der Soziologiprofessor an der Hochschule Furtwangen mit dem Lehrgebiet „Gesellschaftlicher Wandel“ Stefan Selke, hat ein äußerst informatives Buch mit dem Titel „Schamland – Die Armut mitten unter uns“ über die „Vertafelung“ der Gesellschaft geschrieben. Von Christine Wicht.

Im Rahmen seiner Feldforschungen beschäftigt sich der Autor seit 2006 mit der modernen Armenspeisung. Selke möchte mit seinem Buch eine öffentliche Debatte darüber anstoßen, wie es sich aus Sicht Armutsbetroffener anfühlt, seit vielen Jahren Teil dieses Versorgungssystems zu sein und darüber, wie durch Tafeln und ähnliche Angebote die Abspaltung der Gesellschaft in Arm und Reich fortgeschrieben wird (Schamland, S. 11). Er ist dafür quer durch Deutschland gereist, hat Tafeln, Suppenküchen und

Kleiderkammern besucht und mit Betroffenen und ehrenamtlichen Helfern in vielen Bundesländern gesprochen.

 

Für Selke entsteht hier ein „Sozialstaat im Sozialstaat“, denn während das Versprechen auf wohlfahrtsstaatliche Hilfe erodiert, werden zeitgleich freiwillige Helfer vom Staat aktiviert, um ein privates Wohltätigkeitssystem zu etablieren. (S. 244). Selbstverständlich, so Selke, gelte auch hier die Logik von Angebot und Nachfrage. Auch Wohlfahrtsverbände wie Caritas, AWO, Diakonie profitierten von der Armutsökonomie, denn sie könnten so eine bislang schwer zugängliche Klientel an ihre bisherigen Betreuungsangebote binden, also etwa an die Sozial-, Sucht- oder Schuldenberatung (S. 203). Selke nennt als Beispiel die sogenannten HartzIV-Kochbücher, in welchen 2-Euro-Gerichte für „sparsame Genießer“ angeboten werden. Die Berliner Tafel publizierte ein Kochbuch mit prominenter Unterstützung von Alfred Biolek und Ursula von der Leyen, die als Schirmherrin bei einer Tafelveranstaltung betonte, wie wichtig das Engagement gerade von Unternehmen für eine starke Bürgergesellschaft sei: „Ich bin davon überzeugt, dass unser Land menschlicher, ideenreicher und sogar effektiver wird, wenn sich die Zivilgesellschaft und auch die Unternehmen engagieren“. Für ihr sogenanntes „Bildungspaket“ bemühte Ministerin von der Leyen folgendes Zitat von Goethe: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.“ Von der Leyen zeigte sich überzeugt davon, dass nun jeder Stein der Hartz-Reform an seinem Platz sei: „Mit dem Bildungspaket haben wir etwas Schönes gebaut.“ Für die Betroffenen muss sich dieser Satz wie Hohn angehört haben.

 

Letztendlich sollen solche Aktionen den Tafelnutzern aufzeigen, wie man sich im Elend einrichtet.

 

Selke beschreibt das unternehmerische Kalkül des Engagements von Firmen für die Tafelbewegung. Sicher könnten die Gewinne nicht immer in Euro beziffert werden, für den Soziologen sind es oft auch nur symbolische Gewinne, so wenn etwa eine Firma ihre Angestellten für einen „social day“ zu einer Tafel schickt. Selke bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, dass die Tafelnutzer für einen Tag von Managern umgeben sind, die dann „einen tollen Eindruck davon bekommen, was in der eigenen Nachbarschaft alles nicht in Ordnung ist (S. 204). Eine Bank schickte beispielsweise ihre Angestellten zu einem „Volonteering“, um deren soziale Kompetenz zu verbessern. Einige Mitarbeiter hätten diesen sozialen Einsatz sogar genutzt, um den auf die Tafel Angewiesenen angepasste Rentenverträge (Armen-Riester) anzubieten. Selke fasst zusammen, dass sich dann, wenn reale Wirtschafts- und Sozialpolitik durch private Freiland-Simulationen ersetzt werde, wir in einer Gesellschaft des Spektakels angekommen seien, in der sich Fühlen, Denken und Handeln nur noch an der Oberfläche abspielt (S. 205). Wenig Einfühlungsvermögen zeige z.B. die Idee eine Werbeagentur, die im Auftrag der Tafel leere Wasserflaschen in Frankfurter Mülltonnen versteckte, um Tafelnutzer zu erreichen. Die Flaschen waren mit Tafelwerbung etikettiert und enthielten folgendem Text: „Gegen Abgabe dieser Flasche erhalten Sie eine Tüte mit Lebensmitteln“ (S. 210). In einem Interview mit Cicero Online erzählt Selke von der Singener Tafel, die eine eigene Nudelproduktion aufgezogen hat.

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Aktualisiert am 09.09.2018

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