Die LICHTBLICK - ZEITUNG - Nr. 69/2016 Seite 7 von 8 Seiten

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je schon bin, also hier im Lichtblick, seit 20 Jahren.

LB: Der Lichtblick ist Dir ans Herz gewachsen?

Sigrid: Ob das eine Einrichtung kann? Es sind wohl mehr die Menschen, für die mein Herz da ist. Es hat sich zwar vieles geändert und nicht alles gefällt mir besser, aber es braucht einfach Menschen, die für andere in Not da sind.

LB: … und was hat Dir besser gefallen?

Sigrid: Früher war halt alles anders. Zu Beginn war die Einrichtung für Obdachlose da, Menschen also, denen es wirklich am Allernötigsten fehlte. Für meinen Geschmack war da Menschlichkeit ganz groß geschrieben.

LB: Aber vielleicht doch mal von Anfang an: Wie bist Du in den Lichtblick gekommen?

Sigrid: Ich habe mich auf eine Stellenausschreibung hin beworben. Darin war vom Café Lichtblick die Rede und ich sagte mir: Mit Menschen umgehen, bedienen, reden, freundlich sein, das kannst du, das liegt dir sozusagen im Blut. Das war mir auch von meiner familiären Herkunft her vertraut und das traute ich mir zu.

LB: Und war das dann so?

Sigrid: Es war so und zugleich auch völlig anders. Vielen ging es wirklich nicht gut. Viele waren krank, alkoholkrank, oder anders geschädigt. Was mich am meisten berührt hat, sind die Lebensgeschichten dieser Menschen. Wenn Du erfährst, dass einer, der fest im Leben standen, durch Schicksalsschläge einer nach dem anderen schließlich auf der Straße gelandet ist … damit musst du erst mal umgehen lernen. Mitleiden ist nichts für jedermann. Mir allerdings ging dabei das Herz auf, und bis heute lässt mich das Schicksal anderer nicht gleichgültig. Vielleicht habe ich ja auch ein Helfersyndrom, aber ich wusste, dass ich hier eine Aufgabe habe, dass ich wirklich helfen kann, wir einander kennen lernen.

LB: War denn das nicht ein schwieriges „Geschäft“?

Sigrid: Nein – ganz und gar kein Geschäft. Schwierig war es schon. Die nötige Erfahrung hatte ich aber bereits aus dem CJD (Christliches Jugenddorf) in Neustadt mitgebracht. Dort hatte ich als Sekretärin angefangen, nachdem mir dieselbe Stelle zuvor bei einer Versicherung zuwider geworden war. Im Kinderdorf war ich die rechte Hand  des Chefs, führte die Akten und lernte so jeden Einzelnen gut kennen. Und ich konnte nach und nach mit den Kindern – wir hatten z.B. Vietnamesen, die nannten mich Mama – so viel unternehmen. Vom Bewältigen des normalen Alltags bis zu Freizeitaktivitäten aller Art, die ich organisierte und bei denen ich als Begleiterin dabei sein konnte. Da passierten allerhand Dinge.

LB: Was war das?

Sigrid: Wir gingen zum Kanufahren. Einer der Jungs drückte mir seine Schirmmütze auf den Kopf. In dem Moment erst sah ich dessen Läuse. Seine bekamen wir danach wieder weg; und ich selbst hatte keine einzige, obwohl es mich natürlich allein bei dem Gedanken gejuckt hat. Oder einmal waren wir beim Schlittschuhlaufen in Mannheim auf der Eisbahn. Ich dachte Rollschuhfahren kann ich, da muss doch auch Eislaufen drin sein. Na ja … und Sigrid lacht, ihr herzliches leicht angerauchtes „Bariton“-Lachen.

LB: Und diese Erfahrungen im Kinderdorf konntest Du auch beim Lichtblick nutzen?

Sigrid: Ja, nicht genauso, aber ähnlich. Es war wie in einer Familie. Eine, in der einzelne Mitglieder schwere Beschädigungen auf-weisen. Wir machten z.B. gemeinsam Gedächtnistrainings; und ich dachte mir so manches Spiel dazu aus. Probieren geht über Studieren. Und alle waren dabei. Mehr oder weniger.

Abends machten ein Kollege und ich uns auf Tour durch Neustadt. Wir wollten sicherstellen, dass alle unsere Gäste von tagsüber auch nachts gut unter sind. An den damals bekannten Stellen war ich also als Streetworker unterwegs, habe nach dem Rechten geschaut, wenn nötig Streit geschlichtet, oder fürs Nötigste gesorgt, wenn mal z.B. ein Schlafsack abhanden gekommen war. Auch waren nicht alle Neustadter Bürger nur begeistert von den Obdachlosen. Da galt es auch mal Wogen zu glätten.

Wir haben für den Lichtblick auch bei Institutionen um Spenden geworben. Ziemlich vielfältig alles.

LB: … da warst Du ja rund um die Uhr unterwegs. Was hat Deine Familie dazu gesagt?

Sigrid: Am Anfang hieß es: „Du und Deine Alkis“, wenn ich von der Arbeit begeistert erzählte. Ja, es ist halt keine Gruppe von Menschen, mit der man angeben kann. Und mein Mann war irgendwann der Meinung, ich sei mit dem Lichtblick verheiratet. Meine Tochter und ich sind fortan alleine zurecht gekommen. Es ist halt nicht für jeden einfach, wenn du so eine Arbeit machst, nicht jeder kann dich verstehen, was das mit dir macht; auch nicht immer in der eigenen Familie.

LB: und wie ist das nun, wenn Du über die lange Zeit zurückschaust – was kannst Du heute dazu sagen?

Sigrid: Damals war es eben familiärer. Heute ist es größer, vielfältiger, vielleicht ein wenig straffer organisiert. Das muss so sein bei der wachsenden Zahl von Besuchern und deren Verschie-denheit und bei all den unterschiedlichen Bedürfnissen. Da kommt das persönliche menschliche vielleicht mal zu kurz. Mir kommt es manchmal so vor, als ob es darum gehe, dass man sich durchsetzt; um genau das zu bekommen, was einem ja schließlich zusteht. Das war früher anders. Da war mehr Solidarität; nicht die heile Welt, aber

 

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