20 Jahre Lichtblick (e) – Fast ein Tagebuch von Hans Eber-Huber Teil 2

Am 1. März 1999 wurde ich im Rahmen einer ABM- Stelle ( Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) des Arbeitsamtes im Lichtblick eingestellt und zwar zusammen mit Sigrid Wehr, die im Rahmen einer SAM ( Strukturanpassungsmaßnahme) eingestellt wurde.

 

Komplizierte Namen, jedoch eigentlich geniale Maßnahmen des damaligen Arbeitsamtes. Der Träger, hier das Prot. Dekanat, musste lediglich eine kleine Summe aufbringen und konnte 2 Ganztagsstellen einrichten.

 

Ich selbst erfuhr von der Stelle von 2 guten Bekannten: Mathilde Kirsten-Kilburg und Karin Schnorr, die bei der Diakonie beschäftigt waren. Die Beiden machten mir den Job schmackhaft und heute bin ich ihnen sehr dankbar dafür.

 

Damals nicht- denn bereits nach 3 Wochen wollte ich wieder kündigen.

 

In der Chronik ist nachzulesen:

 

2. Aprilwoche: Lichtblick schließt für eine Woche, nachdem es zu mehreren Schlägereien gekommen ist. Ergebnis: Alkoholverbot auf dem gesamten Gelände, Unkostenbeteiligung für das Mittagessen, regelmäßige Teambesprechungen

 

In den Räumlichkeiten des Lichtblicks war schon längere Zeit Alkoholverbot. Aus diesem Grunde wurde auf dem rückseitigen Gelände ein Schuppen gebaut. Dort übernachteten des Öfteren Obdachlose und auch Biertrinken war erlaubt (!!) – aber kein Schnaps.

Die Trinkhalle wird gebaut

Viele der Stammbesucher im Lichtblick hatten damals Hausverbot im E- Center. Dort gab´s die begehrten Flüssigkeiten.

 

So wurde morgens Geld eingesammelt und Einer oder Eine musste dranglauben und den „Stoff“ besorgen.

 

Die Hütte war rechtsfreier Raum - und ständig musste die Polizei gerufen werden, weil es Streit gab.

 

Meine Kollegin, Sigrid Wehr, hat mir in dieser Zeit sehr geholfen, denn sie kannte die Besucher und ihre „Macken“.

 

Es war ein permanenter Machtkampf und ein Ausprobieren- und ohne die Unterstützung von Sigrid Wehr und Schwester Pat hätte ich diese erste Zeit nicht durchgehalten.

Klaus, Schwester Pat und Sigrid beim Flohmarkt

Im April wurde nun Grundregeln des Zusammenlebens im Lichtblick formuliert und in den folgenden Wochen auch durchgesetzt.

 

Unbefristetes Hausverbot erhält nun derjenige, der:

 

● Körperliche Gewalt gegenüber Besucher/innen, dem Personal und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen ausübt.

 

● Drogenhandel und –konsum innerhalb der Räumlichkeiten ausübt.

 

Mindestens 6 Monate Hausverbot bei:

 

● Bedrohung (körperliche und psychische) der ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen.

 

● Gewalt gegen Tiere und die absichtliche Beschädigung von Gegenständen.

 

● Diebstahl.

 

Mindestens einwöchiges Hausverbot bei:

 

● Alkoholkonsum innerhalb der Einrichtung und auf dem Gelände.

 

● Aufenthalt auf dem Gelände außerhalb der Öffnungszeiten.

 

● Schädigung unserer Einrichtung in der Öffentlichkeit

 

● Störung des öffentlichen Friedens in der Hetzel-Anlage.

 

In den darauffolgenden Monaten mussten wir öfters von der Hausordnung Gebrauch machen und die Stimmung besserte sich erst so nach und nach.

 

Manche kamen nicht mehr in den Lichtblick, und manche kamen wieder zu uns.

 

1999 entstand auch unsere erste Lichtblick- Zeitung, zusammengestellt von Schwester Pat und einem Redaktionsteam. Legendär waren Pat´s Kreuzworträtsel:

 

Waagrecht: Hier kriegen wir „Sterbehilfe“

 

In diesem Zustand bin ich selten

 

Brauchen wir, wenn es kalt ist

 

Wo ich draußen schlafe

 

(Auflösung: Sozialamt,nüchtern,Isomatte,Penntüte)

 

Im Frühsommer gründete sich dann der Förderbeirat Lichtblick, dessen Aufgabe es war und ist, die Einrichtung in der Öffentlichkeit vorzustellen, ehrenamtliche Helfer zu werben, Geld- und Sachmittel zu sammeln, und den Träger in inhaltlichen Fragen zu unterstützen.

 

Am 11. August feierten wir Sonnenfinsternis auf der Welsch- Terrasse.

 

Ich organisierte für unsere Leute die begehrten Spezialbrillen- dies war nicht so einfach, weil alle eigentlich ausverkauft waren, und wir gingen mit großer Vorfreude zur Welsch Terrasse. Dort hatte eine Firma ein großes Buffet vorberietet- allerdings nur für ihre Mitarbeiter, und der Sekt stand auch schon bereit, und wartete auf das große Ereignis.

Einige unserer Lichtblickler hatten aber schon vor der Finsternis großen Appetit und bedienten sich am Buffet. Andere trieben einen fröhlichen Handel mit den Spezialbrillen und erzielten Einkünfte bis zu 10,00 DM !

 

Im Herbst 1999 veranstalteten wir dann unsere erste Info Woche „Armut in Deutschland“. Ganz besonders engagierte sich dabei Franz Krätschmer, Gründungsmitglied und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Kreis Bad- Dürkheim.

 

Am 10.12. fand unsere erste Benefiz-gala statt und zwar im Neustadter Saalbau. Leider kamen nicht so viele Besucher, obwohl das Programm sehr vielseitig war.

 

Aber hinter den Kulissen rumorte es:

 

Klaus, ein ehemaliger „Berber“ war nach längerer Abstinenzphase wieder rückfällig geworden und wollte unbedingt auf die Bühne, um seine Liebe zu einer Frau kund zu tun, die zusammen mit ihrem Ehemann im Zuschauerraum saß.

Das Pfälzer Rockmusical: Rock & Riesling

Trotz der Manneskraft einiger Helfer konnte er nicht davon abgehalten werden.

 

So stand er, leicht schwankend, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und…. dankte Schwester Pat für ihre große Hilfe und entschuldigte sich bei allen Helfern, weil er rückfällig geworden war.

 

Interessant auch die Besucherzahlen 1999: Durchschnittlich 26 Frauen und Männer besuchten die Einrichtung und fas 4.000 Essen wurden ausgegeben.

 

Das Jahr 2000 war geprägt von Finanzierungsgesprächen und Zukunftsfragen und endete mit einem Stadtratsbeschluss:

 

Ab 2002 sollte die Stelle der Leitung als Planstelle des Sozialamtes eingerichtet werden.

 

Im Herbst erhielten wir Besuch von der ehemaligen Bundestagspräsidentin Annemarie Renger. Und die Rheinpfalz berichtete: „ Mit Obdachlosen zum Schifferklavier gesungen“.

 

In diesem Jahr erhalte ich endlich mein eigenes Büro. Nach dem Auszug einer Fahrschule wird ein Zimmer frei und eigerichtet.

 

Nun kann ich endlich meine Beratungen und Schreibarbeiten ungestört tätigen. Davor lief alles im „Raucherraum“ statt, dort gab es einen kleinen Schreibtisch und ein Telefon.

 

Und 2001 wurden die vertraglichen Vereinbarungen mit der Stadt diskutiert und verabschiedet. Von der WBG ( Wohnungsbaugesellschaft) erhielten wir im gleichen Jahr eine Wohnung als „Trainingswohnen“ für obdachlose Menschen. Daneben richten wir ein Büro ein und bieten regelmäßige Sprechstunden an.

 

Schwester Pat wird verabschiedet. Sie zieht in die USA und wir feiern ein großes Abschiedsfest.

 

Im Herbst dann die zweite Infowoche „Armes reiches Deutschland“ mit einer schönen Ausstellung, tollen Vorträgen und eine Benefiz- Gala vor vollem Haus im Branchweilerhof- Zentrum

 

So sah es in dieser Zeit im Lichtblick aus:

Yvonne- Jessi und Sigrid in der Küche.

Um in die Räume des Lichtblicks kommen zu können, mussten Alle- auch die Hunde- zunächst einmal durch die Küche.

 

Kein Wunder, dass wir da nicht kochen konnten.

 

Das Essen wurde im Altenheim St. Ulrich gekocht und vom CeBeeF (Club der Behinderte und ihre Freunde) gebracht.

 

Und wer immer mal wieder vorbeischaute mit seiner 1-Mannkapelle war der „Walter vun de Palz“:

Ab 1. März 2002 war ich dann städtischer Angestellter- eigentlich war keine großer Änderung zu spüren. Ich muss schon sagen- eigentlich hatte ich vorher große Bedenken, dass die Stadt zu viel Einfluss auf die Arbeit im Lichtblick nehmen würde. Jedoch - außer Krankmeldungen hinschicken und Urlaubszettel ausfüllen, wollte die kommunale Verwaltung nicht mehr.

 

Bereits 2001 hatten wir angefangen, überschüssige gespendete Lebensmittel samstags auszugeben.

 

Insbesondere waren es Brotwaren und Kuchenspenden. Die Hauptinitiatorin war dabei unsere Frau Mathias, die sich jeden Samstag in den Lichtblick stellte und die Lebensmittel verteilte. Da sich dies herumsprach, kamen immer mehr Bedürftige und es gab Probleme mit der Nachbarschaft. „Wenigstens Samstags wollen wir unsere Ruhe haben“ war zu hören.

 

Jahresticker 2002

 

02.01.2002:

 

Zum ersten Mal wird in der Rot- Kreuzstr. 18 eine abendliche Sprechstunde angeboten. Zunächst Mittwochs von 16 Uhr bis 17.30 Uhr und Montags von 10.30 Uhr bis 12 Uhr. Der Montagtermin wird allerdings ab März wieder eingestellt.

 

31.01.2002

 

Wir besuchen das „Tafel“- Projekt in Landau. Auch in Neustadt soll eine Tafel entstehen und wir verbringen einen Nachmittag in Landau. Dort ist zunächst einmal Essensausgabe. Pro Ausgabetag kommen bis zu 100 Leute. Danach findet ein Gespräch mit dem Vorstand statt. Wir sind beeindruckt !

 

09. 03. 2002

 

Theaterstück für „Lichtblick“. Das Theaterstück „Die da“ wird im Casimirianum aufgeführt. Das aufrüttelnde Stück wird von der Theatergruppe Hassloch aufgeführt, der Erlös dem Lichtblick gespendet. Ein großer Erfolg vor ausverkauften Haus.

 

15.04.02

 

Die rosa Wochen des Holiday- Parks findet auch mit Lichtblick statt. 11 Besucher verbringen einen schönen Tag.

 

16.04.2002

 

Informationsabend zum Thema „Eine Tafel für Neustadt“ mit der Referentin Frau Gütermann, Tafel Landau und Ralf Blümlein, Platte Bingen. Über 60 Interessierte informieren sich. Ende mai soll ein Verein gegründet werden.

 

27.05.2002

 

Der Verein „NeustadterTafel“ gründet sich.

 

15.06.2002

 

Im Rahmen des Dekanatskirchenfestes sind wir mit einem Infostand vertreten

 

15.07. bis 28.07.2002

 

Der LB hat geschlossen. In dieser Zeit wird renoviert: Die Treppe zum OG wird abgeschliffen und neu gestrichen. Alle Räume werden weiss gestrichen, die Fenster und Türen in verschiedenen Gelbtönen. Es helfen mit: Günter Herzog, Frau Mathias ( Köchin), Friedrich, Manne und Reinhold.

 

Anfang Oktober beginnen wir unser Projekt „SoliPack“. Gerd Thünel wird eingestellt über das Sozialamt und ist für dieses Projekt zuständig. Erste Arbeitseinsätze sind in Kirchengemeinden, Casi und eine Wohnungsentrümpelung.

 

06.11.2002

 

Die dritte Benefiz- Gala für LB findet im Casi statt. 140 BesucherInnen sind begeistert.

 

Es treten auf: Reiner Dietz- Duo, Madeleine Sauvuer und clemens Kitchen; Arnim Töpel und Les Cattarius.

 

09.11.2002

 

LB ist ab jetzt auch wieder Samstags geöffnet. Zum ersten Tag kommen fast 30 BsucherInnen. Ab kommende Woche gelten auch wieder die Winteröffnungszeiten.

 

24.12.2002

 

Unsere Weihnachtsfeier findet wieder mit 40 BesucherInnen statt. Der Posaunenchor Hambach-Winzingen spielt im Hof, dieses Mal ohne Schnee bei fast frühlingshaften Temperaturen. Die Kinder von Evi tragen Weihnachtslieder vor, es wird gesungen. Auch Knecht Ruprecht kommt vorbei und bringt Geschenke.

 

Seit 2002 gibt es an Heilig Abend neben Geschichten und Lieder auch eine Geschichte auf pfälzisch. Hier versuche ich dann wichtiges und unwichtiges, was im vergangenen Jahr so passiert ist, zusammen zu fassen.

 

2002 klang das dann so:

 

Weihnachtsgeschicht 2002

 

Isch habb eisch die letschde zwä Jaohr fum Christkinnel verzählt, ihr erinnern eisch vielleicht: Vum Josef und seinerr Maria, die e Plätzel gesucht ham, deswesche, weil die Maria schwanger war. Weider gings mit de Geburt vun unsrem Christkinnel und des Viehzeisch, was do drumrum war. Unn dann noch vunn de drei Käänische die des Jesuskind gsucht und gfunne ham-

 

Fer die Menschheid war des mit dem Jesuskind und seim leewe e ganz wischtische geschicht- enn Lischtblick, wie mer so sache kann.

 

Unn hier in Neischdad hämm mer ach ein kleene Lischtblick-dodvu will isch eisch heit verzähle.

 

Sellemols, des sinn kee zweetausend Joar her, so lang ned, awwer immerhie so schdicker achte Joohr , des war schun im letschde Jahrhunnerd so um die 1994 rum, do waren e paar leiwe Leid hier in unserm schäne Schtädtsche, die ham agfange mit ner grumbeersuppekisch in der neie Kärsch in Winzinge. Do sinn dann die arme Leid kumme un ham die Supp geleffeld. Un weil’s denne gschmeckt hot, ham die Leid gedacht: Här, so a gud Schdubb wär ach net sletzschde, des wär ganz schää. Un sellemols kam do e liewes Mädsche mit ner Kudd un doch käner doher in unser Schdedsche , des war unser Christkinnel- die Pat vun Amerika. Un zsamme mit de Leid vun de Grummbeersubbekisch hot unser Pat de Lischtblick uffgmacht. Do war awwer kä Viehzeisch wie bei de Maria und dem Josef im Schdall, sondern do gabs dann Kaffe, Schdigscher, e gutes Esse un liewe Leid , die sisch um die Arme gekimmert han. Un so isses heid noch und wird ach so bleiwe. Un wenn ihr wolld verzähl isch eisch snächschde Mol wieder e Gschischt.

 

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LB-Winterflohmarkt

Samstag 24. November

10 Uhr - 17 Uhr

HausRat-Laden

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Aktualisiert am 14.11.2018

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Warum fehlen in Deutschland so viele Sozialwohnungen