20 Jahre Lichtblick (e) – Fast ein Tagebuch von Hans Eber-Huber Teil 3

Im Oktober 2002 wurde dann mein Lieblingskind geboren:

 

Das Arbeits- und Beschäftigungsprojekt „SoliPakt“.

 

Entstanden ist die Idee bereits ein Jahr zuvor. Im Herbst 2001 veranstaltete der Kindergarten im +Schönthal rund um St. Martin einen Kinderflohmarkt. Kinder des Kindergartens verkauften- natürlich mit Unterstützung ihrer Eltern, Spielsachen und Kleidung und spendeten schließlich den Erlös dem Lichtblick. Die Kinder kamen dann auch vorbei um zu sehen, wofür das Geld verwendet wurde. Ich war darüber sehr gerührt, und wollte auch etwas zurückgeben.

 

In dieser Zeit hatte die Naturgruppe Sonnenhang im Schönthal, die zum Kindergarten gehörte, neues Gelände erhalten. Hier war „Manpower“ gefragt, um die Terrassen von Gestrüpp zu befreien und damit war unser erster Auftrag geboren.

Kalle und Gerd im Einsatz

Gerd war über das Sozialamt im Rahmen gemeinnütziger Arbeit eingestellt worden und begann, zusammen mit Kalle und später noch einigen anderen, Arbeitsaufträge anzunehmen, die folgende Kriterien erfüllen mussten:

 

a.) keine Fahrzeuge benötigten,

 

b.) keine großen Maschinen und Werkzeuge. und

 

c.) die Aufträge mussten in Neustadt sein und zu Fuß oder per Rad erreichbar sein.

 

Kalle und Gerd waren beide chronisch alkoholabhängig und durften nur antreten, wenn sie einigermaßen nüchtern waren. Die Arbeitszeiten richteten sich am Alkoholpegel der Beiden. Nächster Auftrag war die Renovierung des ersten „Tafel“- Ladens in der Hindeburgstraße.

 

Und dann kam ein Spezialauftrag: Die Wohnungsentrümpelung einer Messie- Wohnung bei Anwesenheit der Bewohner!

 

Definition

 

Das Messie-Syndrom ist eine psychische Wertbeimessungsstörung, das heißt, Betroffene schätzen Wert und Nutzen verschiedener Dinge anders ein als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das kann sich auf unterschiedlichste Dinge beziehen: Zeitungen und Bücher, Lebensmittel, Werkzeuge, Verpackungsmaterial, Spielsachen, Ersatzteile, Kleidung usw. Die betreffenden Gegenstände werden entweder beschafft, sofern sich eine Gelegenheit ergibt, oder einfach behalten, statt sie zu entsorgen. Einige Messies sammeln nur eine bestimmte Art von Dingen, andere sammeln alles und werfen überhaupt nichts weg, da sie sich nicht davon trennen können.

 

Teilweise führt dieses Verhalten zu Verwahrlosung und Vermüllung, Schwierigkeiten im sozialen Umgang oder anderen Problemen. Allerdings ist keines dieser Symptome charakteristisch für das Messie-Syndrom. Viele Messies führen nach außen ein völlig normales bürgerliches Leben.

 

Die Bewohner waren eine ältere Frau und noch älterer Mann, die, um schlafen zu können, jeden Abend einen Teil ihres Hab und Gutes auf den Flur stellen mussten.

 

Dieser Sondereinsatz bedurfte besonderes Feingefühl und auch Cleverness !

 

Da ohne Fahrzeug, stelle der Vermieter Container zur Verfügung.

Kalle und Karten bei Einräumen des Containers

Und dieser wurde tagsüber gefüllt und sollte am kommenden Morgen gewechselt werden. Und tatsächlich stand morgens ein leerer Container vor dem Haus, denn in der Nacht war das Pärchen sehr rege und schleppte alles wieder nach Oben.

 

Die Lösung des Problems: Ein abschließbarer Container!

 

Solipakt

 

- ein Arbeitsprojekt der Tagesbegegnung „Lichtblick“

 

Solidarität mit Lichtblick

 

Wir packen an.

 

Die Tagesbegegnung „Lichtblick“ ist eine Einrichtung des Protestantischen Dekanats Neustadt. Das Projekt ist entstanden aus einer ökumenischen Initiative von Bürgerinnen und Bürgern und verschiedenen Institutionen der Stadt.

 

Die Begegnungsstätte ist eine Einrichtung für obdachlose und bedürftige Menschen. Neben der Befriedigung von Grundbedürfnissen ( Ernährung, Kleidung, Pflege und Gemeinschaft) kümmert sich ein Team von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern um individuelle Problemstellungen. Ergänzt werden die Angebote durch eine vernetzte Zusammenarbeit mit regionalen Fachberatungsstellen.

 

„Lichtblick“ ist mittlerweile ein unverzichtbares soziales Angebot in Neustadt geworden.

 

1999 erhielt das Projekt den „Innovationspreis“ des Landes Rheinland- Pfalz.

 

Zwei herausragende Problembereiche sollen in Zukunft bearbeitet werden.

 

Sicherung und Schaffung von Wohnbereichen

Arbeits- und Beschäftigungsprojekte

 

Gedanken zum Arbeitsprojekt

 

Ziel unserer Hilfsangebote ist die Vermittlung arbeitsloser Besucher in Bereichen des 1. Arbeitmarktes. Die langjährige Erfahrung zeigt jedoch, dass ca. 30 bis 40 % unserer Besucher zeitweise oder auf Dauer nicht mehr in der Lage sind, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine berufliche Perspektive zu finden.

 

Es handelt sich bei dem Personenkreis um

 

- Langzeitarbeitslose

 

- Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung

 

- Menschen mit langjähriger Suchtproblematik

 

- Menschen ohne qualifizierte Ausbildung

 

Von Beginn an versuchen wir, unseren Besuchern tagesstrukturelle Angebote zu machen. D.h. Tagesausflüge, kleiner Hilfestellungen, Mitarbeit in der Einrichtung, kleinere Erledigungen .

 

Für die Menschen ist es wichtig, durch Arbeit und Beschäftigung ihr Selbstwertgefühl zu steigern.

 

Unsere bisherigen Angebote sind jedoch stark eingeschränkt.

 

Mit dem Arbeitsprojekt möchten wir folgendes erreichen:

 

- Ein weiteres tagesstrukturelles Angebot

 

- Abbau von Vorurteilen in der Bevölkerung

 

Solidarität mit Lichtblick

 

Viele Kirchengemeinden, Institutionen und Einzelpersonen unterstützen seit Jahren den Lichtblick durch Geld- und Sachspenden. Darüber hinaus finanziert die Stadt seit 2002 die Stelle der Leitungskraft.

 

Die Einrichtung möchte sich in Zukunft für dieses Engagement bedanken

 

Wir packen an.

 

Wo Hilfe benötigt wird, die nicht durch Firmen, Fachkräfte, öffentliche Hand geleistet wird, möchte Lichtblick Hilfe und Unterstützung anbieten.

 

Daneben sollen Tätigkeiten für bedürftige und ältere Menschen angeboten werden.

 

Lach mal wieder…mit Ernst Ohmer ( aus der Lichtblick- Zeitung vom Juni 2003:

 

Kommt ein Mann ins Autohaus und entdeckt einen Porsche, den er sich schon lange wünscht. Der Verkäufer meinte: „ Der kostet 100.000,00 Euro“. „Ich habe aber nur 99.999,00 Euro“, entgegnet der Mann. „Kann man da nichts machen?“. „Nein, tut mir leid. Der Preis ist bereits knapp kalkuliert,“ antwortet der Verkäufer. Der mann geht vor die Tür und entdeckt einen Tippelbruder, der gerade am Betteln ist. „Sag mal, kannst du mir vielleicht einen Euro geben?“ Der Clochard schaut ihn verdutzt an und fragt: „Wozu brauchst du den Euro?“. „ich möchte mir einen Porsche kaufen.“ Der Tippelbruder denkt lange nach, gibt dem Mann zwei Euro und sagt: „ Dann bring mir bitte auch einen mit“.

Freizeitangebot Schlittschuhlaufen in Kaiserslautern

Aus meinem Vortrag im Rahmen der Jahresversammlung des Förderbeirates:

 

„Was bringt nun so eine Einrichtung der Kommune ?

 

Ich bin überzeugt, das Ganze rechnet sich auch - die Stadt hat zwar Ausgaben, die Finanzierung meiner Stelle und die Hilfe zur Arbeit Stelle, aber ansonsten finanziert sich die Einrichtung selbst. Immerhin müssen wir für Miete, Personal und sonstige laufende Kosten aufkommen. So mussten wir zum Beispiel auch die Eigenmittel meiner ABM-Stelle und der SAM- Stelle meiner Kollegin selbst aufbringen und seit März diesen Jahres die komplette Finanzierung der Stelle meiner Kollegin übernehmen.

 

Ich kann Ihnen natürlich jetzt keine konkreten Zahlen vorbringen, wie viel Geld die Kommune sparen kann. Dies ist aber auch bei den meisten sonstigen sozialen Investitionen kaum möglich.

 

Aber schauen wir uns einmal die Kosten-Nutzungsrechnung an: Die Kosten haben ich Ihnen ja bereits genannt, kommen wir zur Habenseite:

 

Die Angebote einer Tagesstätte verringern z.B. die Krankenhilfekosten. Durch Angebote in den Bereichen Hygiene und Ernährung- und zwar eine gesunde

 

Ernährung, werden die Menschen seltener krank, das behaupte ich einfach. Sie fühlen sich in der Einrichtung angenommen und ihre „Macken“ werden akzeptiert, dies verringert Einweisungen in psychiatrische Einrichtungen. Durch Beschäftigungs- und Arbeitseinsätzen unter pädagogischer Begleitung lernen auch Langzeitarbeitslose wieder den Spaß am arbeiten. Einige unserer Leute, die über einen Jahresvertrag eingestellt wurden, arbeiten heute wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt, dies spart Sozialhilfe. Etliche unserer Besucher arbeiten heute wieder auf 400 Euro Basis, dies verringert die Leistungen des Arbeitsamtes, daneben werden Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung entrichtet. Mit unseren Angeboten leisten wir Kriminalitätsprävention, denn die Menschen haben eine Tagesstruktur und sind versorgt. Das Aggressionspotential nimmt ab, unsere Leute lernen, mit Frust und Hass anders umzugehen. Dies wiederum erleichtert die Arbeit der Sachbearbeiter im Sozial- und Arbeitsamt. Wir sind häufig Puffer und Vermittler, häufig haben wir auch Feuerwehrfunktion. Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen ein Stück Mutter- und Vaterrolle in den Alltag, Sozialisationsdefizite können damit angegangen werden.“

 

Postadresse für das Arbeitsamt

 

Seit 1.1.2003 besteht die Möglichkeit für obdachlose Menschen, weiterhin Bezüge über das Arbeitsamt zu erhalten, wenn sie sich werktäglich im Lichtblick melden. Es muss nun eine Vereinbarung unterschrieben werden, wobei sich Lichtblick verpflichtet, das Arbeitsamt sofort zu unterrichten, falls der Arbeitssuchende nicht persönlich erschienen ist. Im Berichtszeitraum wurde von vier Personen diese neue Regelung genutzt. (… und 2015 waren es 230 !!!) Ein großer Vorteil dabei ist, dass die Betroffenen wieder krankenversichert sind, und natürlich auch ihre Leistungen erhalten. Für die Kommune entfallen darüber hinaus die Zahlungen von Sozialleistungen.

 

Der Berberslang

 

Obdachlose, Landstreicher, Nichtsesshafte, Penner und Durchwanderer werden sie genannt. Am Liebsten bezeichnen sie sich als berber- in Anlehnung an die Nomaden Afrikas. Was viele nicht wissen: Unter den Berbern gibt es eine eigene Sprache. Wir verraten im Folgenden einige Begriffe:

Indianer: 1 Cent

 

Zwickel: 1 Euro

 

Heiermann: 2,5, Euro

 

Pfund: 10 Euro

 

Kilo: 50 Euro

 

Gerödel: Rucksachk mit Inhalt

 

Zündkerze: Boonelkamp

 

Bome: 2 l Flasche Wein

 

Rente, Sterbehilfe: Tageesatz vom Sozialamt

 

Berberkreis: Geld untereinander sammeln

 

Berbertelefon: Infoaustausch

 

Penntüte: Schlafsack

 

Bunkern: die Habe in Sicherheit bringen

 

Sitzung, Stich, Schmale machen: Betteln

 

2002 und 2003 waren sehr kreative Jahre, nachdem die personelle Zukunft des Lichtblicks gesichert war. Ich war im Sozialamt der Stadt untergekommen und auch meiner Kollegin, Sigrid Wehr, konnte der Träger, also das Prot. Dekanat, eine berufliche Perspektive anbieten. Klar war- alles war abhängig von den Spendenflüssen, denn - ohne Moos war und ist auch heute noch nichts los.

 

Rückblickend ist zu sagen, dass in diesen beiden Jahren vieles entstanden ist. Dazu gehört natürlich auch die Finanzverwaltung.

 

Im Jahresbericht 2002 wurde erstmals darüber berichtet:

 

Ein weiteres Angebot wurde im Berichtszeitraum eingerichtet: die Finanzverwaltung. In drei Fällen wurde dies aus der Not geboren. Bedingt durch Stromschulden, wurden bei drei Besuchern die Energiequellen abgestellt. Nach einigen Gesprächen und die Bereitschaft den Kontozugriff zu übertragen, waren wir bereit, die Stromschulden vorzufinanzieren. Bei allen Dreien sind die Schulden mittlerweile bezahlt, jedoch die Vermögensverwaltung wird fortgeführt. Bei zwei weiteren Besuchern wurde dies zeitweise aus anderen Gründen ebenfalls übernommen. Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass dies eine Möglichkeit ist, Geldangelegenheiten zu übertragen und täglich einen Geldbetrag zu erhalten. Diesen „Service“ können z.B. Betreuer nicht leisten, da sie nicht täglich Kontakt haben. So ist es mittlerweile selbstverständlich, dass sich Betreuer mit uns in Verbindung setzen, z.B. in Urlaubszeiten.

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LB-Winterflohmarkt

Samstag 24. November

10 Uhr - 17 Uhr

HausRat-Laden

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LICHTBLICK

NEUSTADT - WEINSTRASSE

Prot. Dekanat Neustadt u. Förderbeirat Lichtblick

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Aktualisiert am 19.10.2018

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Warum fehlen in Deutschland so viele Sozialwohnungen