20 Jahre Lichtblick (e) – Fast ein Tagebuch von Hans Eber-Huber Teil 6.1

20.02.08

 

Unsere erste Besucherversammlung im neuen Jahr beschließt ein Rauchverbot im Erdgeschoss ab 1. Mai 2008, so ist es in der Chronik nachzulesen.

 

Damit hatte ich nicht gerechnet: Es gab kaum Proteste. Dafür bauten wir einen „Raucher“- Point im Freien.

 

Unsere Zeitung schrieb dazu im Mai:

 

Raucherhäuschen–Liebeslaube

 

Ein Werk von „Manne“

 

Wer den Lichtblick kennt wird überrascht sein - statt Parkplatz ist da ein Platz fürs Rauchen im Hof entstanden. Mit einer Bank rundum und Dach überm Kopf gegen Sonne oder Regen. Und ein Tisch wird noch aufgestellt werden. Damit die Raucher – und das sind fast alle – auch nach dem Rauchverbot ab 1.5. ihr Plätzlein finden, wie in jedem anderen Lokal in der Stadt.

 

Gezimmert hat das Ganze ein Mann aus Hassloch, der seit fünf Jahren wieder einen festen Wohnsitz in Neustadt sein eigen nennt, nachdem er, geschieden von Frau und Kindern, 7 Jahre auf der Strasse lebte. „Manne“, wie ihn alle nennen, der gelernte Zimmerer, hat sich beherzt ans Werk gemacht und es innerhalb eines Tages vollendet – fertig ist die Laube, in der künftig die Liebe zum Laster gepflegt werden kann ganz ohne Beschränkung.

 

Auch Manne ist wie andere gern als Gast gesehen. Seit dem 14.4. arbeitet er auch als Ein – Euro – Jobber für den Lichtblick, für den er schon zuvor manch notwendige Arbeit vollbrachte, worauf er stolz ist. Aus vielen Einzelteilen hat er die Laube auf einer von ihm neu gebauten Holzbeplankung errichtet: „Puzzle für Erwachsene“ hat ein Kollege , das Ganze getauft, und nun steht es ab sofort zur Nutzung bereit.

Und in der Lichtblick Zeitung ist nachzulesen:

 

Das Casimirianum „Komplott“

 

Da kommen jeden zweiten Donnerstag Männer und Frauen zusammen. Sie unterscheiden sich kaum von anderen – bilden eine eigene verschworene Truppe. Heute am 10.4.08 – ein geradezu mystisches Datum - sind 13 Personen beisammen im Casimirianum. Und sie stellen sich Fragen, die nur „Eingeweihten“ bekannt sind:

 

Wo muss ich den Antrag stellen, um von der GEZ befreit zu sein?

 

Gilt das auch für die Telekom?

 

Wie können wir das ALG 2 auf 400,-€ erhöhen? Nur so kann ich noch überleben – es wird doch fast alles immer noch jeden Tag um 3 oder 5 oder auch mal mehr Cent teurer! Wie kann ich eine kleine Wohnung finden, in der ich wenigstens am Sonntag mal meine Ruhe habe?

 

Und es gibt Findige, die Antwort geben können: „Vor 31/2 Jahren wurde ich krank und bin durch alle Netze „durchgefallen“. Jetzt habe ich Unterkunft im Projekt „Eilhardshof“ gefunden; da halten alle nicht nur zusammen sondern sich auch an gemeinsame Regeln“. „Mir ist es nach langer Zeit gelungen, einen Nebenjob bei einer neuen Zeitung in Neustadt zu finden“. „Ich habe von meiner Tochter gelernt – die kann aus kleinem Geld Großes machen“.

 

Das sind einige der Themen, die beim Hartz IV Frühstück zur Sprache kommen. „Wir wollen reden statt zu schweigen, uns gegenseitig helfen und auch Ungerechtes benennen“. Wir bleiben am Ball und es tut sich was“! „Mein Motto lautete schon immer: ich will abends noch in den Spiegel schauen können“, und dafür tut er auch jetzt trotz Sozialhilfe noch alles, und „ich bleibe anständig dabei“.

 

Es sind Menschen jeden Alters und mit ganz verschiedenen Biographien, die sich treffen und austauschen, sich gegenseitig Lebenshilfe und Rat geben und so den Mut nicht verlieren. Sie kommen zum Frühstück, lernen sich kennen und erfahren, dass sie nicht allein gelassen sind. Das protestantische Dekanat fördert diese Hilfe für Menschen, die ohne etwas dafür zu können, sich ausgeschlossen fühlen vom „normalen Arbeitsmarkt“ und damit vom „normal verdienten“ Geld, das den Mensch nicht nur ausmacht, sondern das er zum Über-Leben benötigt.

 

Dabei geht es in der Runde nicht nur um den persönlichen Vorteil. Es sind ganz praktische Ideen, die Menschen helfen, sich selbst zu helfen, ohne die eigene Würde zu verlieren, weil sie ohne Arbeit in Not geraten.

 

Da sind Menschen zusammen gekommen, die wissen wovon sie reden, wenn sie Missstände artikulieren. Sie haben sie selbst erlebt, statt nur darüber geredet.

 

19.06.08

 

Alle Arbeiter des Arbeitsprojektes SoliPakt machen einen Ausflug

Es geht ins Elmsteiner Tal nach Iggelbach, Von dort aus wird gewandert bis zum Helmbachweiher. Dort wird gegrillt.

 

12.11.08

 

Große Benefiz-gala im Herrenhof Neustadt-Mußbach zu Gunsten von Lichtblick:

 

Einmal jährlich findet eine Benefiz- Gala statt, in 2 Jahren sogar jeweils zweimal. Begonnen hatten wir im Gemeindezentrum Branchweilerhof, zogen dann ins Casimirianum und sind dann bis heute Gast im Herrenhof Mußbach.

 

Viele Künstlerinnen und Künstler durften wir in den vergangenen 20 Jahren begrüßen und alle spielten „fer umme“.

 

Stellvertretend ein Foto von 2009 mit Detlev Schönauer:

Finanzverwaltung – Treuhandkonto Bericht 2008:

 

Ende 2008 bestanden 31 Treuhandkonten, im Laufe des Jahres wurden drei Geldverwaltungen aufgehoben und sechs neue sind hinzugekommen. Aufgehoben wurden zwei Konten wegen Tod und ein Konto wegen Wegzug.

 

2008 wurden insgesamt 340.000,00 Euro eingenommen und ausgegeben, es waren ca. 700 Buchungen, die von Frau Lamotte im Evang. Verwaltungsamt vorgenommen wurde.

 

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für diese überaus sinnvolle Hilfe.

 

Besonders erfreulich war ein Fall:

 

Yussuf war ganz am Ende, als er das erste mal in den LB kam. Er hatte seine Familie verloren, seinen Arbeitsplatz und zuletzt auch seine Wohnung.

 

Die Geldleistungen der ARGE wurden eingestellt, da er wohnungslos wurde.

 

Hinzu kam, dass er massive Alkoholprobleme hatte. Yussuf hatte bessere Zeiten erlebt: Lange Jahre wohnte er auf einer griechischen Insel, hatte dort ein Restaurant und ein Haus. Seine deutsche Frau, er selbst stammt aus Tunesien, wollte unbedingt wieder nach Deutschland zurückkehren, als das erste Kind schulpflichtig wurde. Da begann die persönliche Katastrophe. Er kam in Deutschland überhaupt nicht zurecht, begann zu trinken und schließlich verließ er seine Frau. Er zog in die Pfalz in die Nähe von Bad- Dürkheim, da er dort einen Job in einem Schnellrestaurant fand. Die Trennung jedoch konnte er nicht verkraften und seine Alkoholprobleme führten zur Kündigung.

 

Er kümmerte sich um nichts und verlor letztendlich auch die Wohnung wegen Mietschulden.

 

Im ersten Gespräch mit ihm wurden etliche Punkte seiner Lebensgeschichte angesprochen, und er traute sich lange zu weinen, seinen ganzen Frust und Selbstzweifel anzusprechen und zu erkennen, dass der Alkohol seine Probleme nicht lösen könne. Eigentlich wäre eine Entgiftungsbehandlung ein erster wichtiger Schritt gewesen, jedoch war er zu dem Zeitpunkt nicht krankenversichert.

 

Wir stellten den Kontakt zur ARGE her, und stellten einen baldigen Wohnsitz in Aussicht, so dass sein Antrag bearbeitet werden konnte.

 

Parallel dazu hatte Yussuf besonderes Glück: In direkter Nachbarschaft des Lichtblicks wurde ein möbliertes Zimmer frei, und wir sicherten dem Vermieter zu, dass er die Miete über uns erhalten würde. Yussuf konnte sich dort sofort anmelden und das Zimmer beziehen.

 

Bis das erste Geld der ARGE auf unser Konto kam, vergingen nochmals 14 Tage. In der Zwischenzeit unterstützten wir Yussuf mit einem kleinen Darlehen.

 

Vom Erstkontakt an bis zu ersten Geldzahlung waren gerade mal 14 Tage vergangen.

 

Für Yussuf war die Entgiftung kein Thema mehr, er versuchte, alleine zurecht zu kommen.

 

Mitte November kam Yussuf strahlend in den Lichtblick: Er hatte in der Südpfalz eine Ganztagsstelle in einem Restaurant gefunden, und dazu noch eine Wohnung, die ihm der Koch besorgt hatte.

 

Besonders erschütternd war ein weiterer Fall:

 

Walter kam 2007 das erste Mal in unsere Einrichtung. Franz Krätschmer, Sozialpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes der Kreisverwaltung, hatte einige Wochen davor angefragt, ob wir eine verwahrloste Wohnung aufräumen könnten. Eine Mitarbeiterin von SoliPakt hatte sich danach bereit erklärt, ab und zu mal die Wohnung zu putzen.

 

Der Kontakt brach jedoch dann wieder ab bis zum Frühjahr 2008. Walter war mittlerweile aus der Wohnung zwangsgeräumt und in einer Notunterkunft untergebracht worden. Unser Arbeitstrupp besorgte für Walter ein Bett, einen Schrank, Tisch und zwei Stühle. Einen Kühlschrank wollte Walter nicht haben, da er sowieso keinen Strom habe. Ab und zu kam Walter in den LB um zu duschen. In einem Gespräch stellte sich heraus, dass Walter Rentner war und er eine deutsche und eine ausländische Rente zu bekommen hatte. Die ausländische Rente jedoch wurde bereits im Spätsommer 2007 eingestellt.

 

Unsere Recherche ergab, dass Walter es versäumt hatte, eine Lebensbescheinigung an den Rententräger zu senden. Im Einwohnermeldeamt erhielt er prompt diese Bescheinigung und auch einige Wochen später eine große Nachzahlung auf das Treuhandkonto.

 

Mit dieser Nachzahlung konnten alle Schulden beglichen werden und Walter erhielt nun auch wieder Energie.

 

Walter war gesundheitlich sehr angegriffen, auch wegen seines Alkoholmissbrauchs. Mitte November starb er in der Notunterkunft.

 

Die Finanzverwaltung ist ein wichtiger Baustein in unserem Hilfssystem. Dadurch haben wir ein Werkzeug erhalten, um Menschen, die unsere Hilfe suchen, diese auch unbürokratisch erhalten können.

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